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Vertretungslehrer? Quereinsteiger? Musikunterricht? – Wie klingt das für Sie?

Vertretungslehrer? Quereinsteiger? Musikunterricht? – Wie klingt das für Sie?

By am 23 Apr 2013 in Berlin, Blog | 11 Kommentare

„Musik? Ist nicht wichtig, brauche ich nicht!“
Das ist nicht etwa die Antwort nur von einigen, am Unterricht weniger interessierten Schülern, sondern, und nun halten Sie sich fest, auch von einer Lehrerkollegin.
„Ich verstehe ihren Humor scheinbar noch nicht“, war meine Antwort zu ihr, ohne zu diesem Zeitpunkt zu wissen, dass es kein Scherz ihrerseits war. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ich darf mich kurz vorstellen. Ich bin 48 Jahre alt, seit über 30 Jahren Berufsmusiker und habe zahlreiche Konzerte mit großartigen teils weltberühmten Kollegen in vielen Ländern der Erde gegeben. Eine bestimmte Stilrichtung der Musik ist mir nicht wichtig, Hauptsache die Musik ist gut. So bin ich in den Bereichen der E-Musik ebenso wie im Jazz, der Theatermusik und der Rockmusik anzutreffen.
Ein klassisches Musikstudium habe ich in der DDR absolviert – na ja, jedenfalls fast. Denn, wer in der DDR studierte, musste sich mit einer Einverständniserklärung verpflichten, 3 Jahre nach seinem Studium dort zu arbeiten, wo er hin versetzt wurde. In meinem Fall hätte es eine Orchesterstelle in der Provinz bedeutet, was aber noch schlimmer war, ich wäre direkt nach dem Studium für mindestens 18 Monate zu Armee eingezogen worden. Um dies zu umgehen, musste ich mich 2 Wochen vor dem regulären Studienabschluss, nachdem ich mein Examenskonzert gespielt hatte, exmatrikulieren lassen. Das war nicht weiter tragisch, da ich schon seit Jahren als Jazzmusiker durchs Land zog und davon meinen Lebensunterhalt bestreiten konnte. Außerdem hatte ich sowieso vor, als freischaffender Musiker mein Leben zu gestalten. Aber einen anerkannten Studienabschluss hatte ich so nicht.

Meine vielseitigen musikalischen Tätigkeiten und sozialen Interessen führten mich in viele Länder zu vielen wunderbaren Menschen, die ich in den unterschiedlichsten Projekten kennen lernen durfte. So arbeitete ich beispielsweise für Umweltschutzprojekte in Lateinamerika ebenso, wie mit Musikstudenten an einem College in den USA oder geistig behinderten Menschen in Berlin, mit denen ich die Musik für Theaterstücke einstudierte und zur Aufführung brachte. Musik ist Sprache, ist Kommunikation, das ist mir wichtig.

Vor 2 Jahren begann ich dann etwas für mich nahe liegendes, denn meine jüngste Tochter wurde eingeschult. Es gab für die gesamte Schule (mehr als 350 Kinder) nur eine ausgebildete Musiklehrerin, die ihr Recht auf ein eigenes Kind wahrnahm und sich im Schwangerschaftsurlaub befand. Das bedeutete aber, daß es über ein Jahr lang keinen qualifizierten Musikunterricht gab. Die anderen Lehrer wurden dazu „verdonnert“, das Fach Musik abzudecken, oft ohne musikalische Kenntnisse und ohne das Selbstbewusstsein auch nur ein Lied zu singen, was zur Folge hatte, daß der Musikunterricht meistens ausfiel.
So übernahm ich den Musikunterricht für die 4.und 6. Klassen (6 Wochenstunden) in einer Grundschule, bis nach 3 Monaten eine zertifizierte Lehrerin eingestellt wurde. Offiziell wurde ich als Kursleiter über die Personalkostenbudgetierung als Honorarkraft eingestellt. Das bedeutete in meinem Fall eine Vergütung pro Doppelstunde von 46,00 EUR, von der ich natürlich alle Abgaben selbst zu tragen hatte. Der Unterricht mit den Kindern machte mir großen Spaß, nicht zuletzt durch die Tatsache begründet, daß besagte Schule in einem Einzugsgebiet liegt, wo Eltern mit ihren Kindern noch Zeit verbringen, mit ihnen viel kommunizieren, selbst ein gehobenes Bildungsniveau haben und dieses an ihre Kinder weitergeben wollen. Der Umgang der Kinder mit den Lehrern, ja, Sie lesen es richtig herum, war respektvoll und teils sogar liebenswürdig. Man sollte meinen, daß das normal ist. Aber ist es das wirklich?

Ermutigt durch diese Erfahrung, wohl wissend, daß diese gewissermaßen in einem Lehrersanatorium gemacht wurde, denn die meisten Lehrer würden sich wünschen, in solch einem Klima arbeiten zu können, stellte ich mich weiterhin als Aushilfslehrer in Berlin zur Verfügung.

Ich erhielt eine Anfrage einer Grundschule in einem Neubaugebiet, die für das 2. Halbjahr einen Musiklehrer für 6 Wochenstunden suchte. Ich fuhr also hin und stellte mich dem Direktor vor. Nach unserem Gespräch wurden aus den avisierten 6 Wochenstunden 14. Ich sollte 8 verschiedene Klassen übernehmen von der 3. bis zur 6. Klassenstufe.
Auf die Frage: „Wann könnten Sie anfangen?“ antwortete ich: „Morgen.“
Das Schulhalbjahr hatte schon begonnen und ich wollte die Kinder ja schließlich nicht warten lassen, bis die Schulbehörde meinen Vertrag und die Ermittlung meiner Honorareinstufung vorgenommen hatte. Das hätte 6 Wochen dauern können, was es im Übrigen auch tat. Seit über einem Jahr hatte es keinen geregelten Musikunterricht gegeben und der Wissensstand der 6. Klässler war derselbe wie der in den 3. Klassen, wie sich zeigen sollte.
Der Schulleiter war offensichtlich froh, einen Mann für diese Aufgabe gefunden zu haben, der weiß, wie man seine eigene Begeisterung den Kindern vermitteln kann, aber würden es die Kinder auch so sehen?
Auch diese Schule liegt nicht in einem sozialen Brennpunkt, das muss ich vorausschicken. Aber hier wird schon so etwas wie die Zukunft gelebt, die so schön mit dem Begriff Inklusion beschrieben wird.

Erster Schultag: Ich betrete den Klassenraum, es ist eine 4. Klasse und laut, wie auf einem Flugplatz. Ich warte schweigend vor den Kindern stehend, bis sich der Lärmpegel gen Null bewegt und sage: „Guten Tag, Kinder“. Nur ein Drittel der Schüler reagiert überhaupt. Ich stelle mich vor, erzähle ihnen, was ich mache und mit ihnen zusammen erreichen möchte. Die einzige Frage, die sie interessiert ist, ob ich berühmt bin. Ich verneine das und wir kommen ins Gespräch. Ein Schüler in der ersten Reihe zeigt mit symbolisch, wie er sich selbst befriedigt. Ich versichere ihn meines tiefen Mitgefühls, danach lässt er derartigen Unsinn. Wir sprechen über Klänge, Töne Geräusche, tragen alles zusammen, was an Wissen und Erfahrungen schon vorhanden ist, und ich lasse einen nach dem anderen einen Klang oder Ton erzeugen. Nur ein Kind benutzt überhaupt seine Stimme, während alle anderen verschiedenste Schlaggeräusche von sich geben. Ein Junge ohrfeigt sich selbst – „Auch ein Geräusch“ sage ich zu ihm „Sei froh, daß es nur ein leises war.“ Er demonstriert mir, wie es sich laut anhört – mir stehen fast die Tränen in den Augen. Nach der Unterrichtsstunde kommt der Junge zu mir, um mir zu erzählen, daß ihm das gar nichts ausmacht, weil er täglich verprügelt und gewürgt wird. Ich fasse ihn mit beiden Händen an seine Schultern, sehe ihm in die Augen und sage zu ihm: „Wir können oft nicht verhindern, wie andere mit uns umgehen, aber wir dürfen uns das niemals selbst antun“.

In der zweiten Unterrichtsstunde hatte ich eine 5. Klasse, dort flogen die Butterbrote durch den Raum. Meiner Aufforderung, diese aufzuheben wurde nur abfällig lachend „Nö, mach ich nicht!“ begegnet, worauf ich den betreffenden Jungen nur des Klassenraumes verweisen konnte, denn mit meinen pädagogischen Mitteln war ich hier bereits am Ende. Ich wusste ja, daß Lehrer ihre Schüler nicht anfassen dürfen. Tags darauf kam eine Beschwerde der Mutter, ich hätte ihren Filius vom Unterricht ausgeschlossen. Als ich eines Tages einen Schüler festhalten musste, der mit Füßen seine Nachbarin trat, drohte mir dieser, mich in den Knast zu bringen. Auch die Maßnahme, ihn auf einen Stuhl neben die Tafel zu setzen, brachte mir Ärger mit den Kollegen ein, weil ich ihn damit ausgegrenzt hätte. Erst Tage später erfuhr ich, dass dieser schlagende, tretende Junge am Asperger Syndrom leidet.
Diese Regelung, dass jede körperliche Aktion eines Lehrers per se als Züchtigung verstanden wird, und einen Straftatbestand darstellt, ist nach meiner Erfahrung höchst fragwürdig. Mir war offensichtlich entgangen, neben der Lehrertätigkeit auch als Therapeut eingestellt worden zu sein. Auf meine Frage, wie es denn um die Betreuung der Kinder mit einer Indikation bestellt ist, erhalte ich die Auskunft, daß der Sozialarbeiter nur eine halbe Stelle hat und heute nicht zu Verfügung steht. Verstehe, denke ich: Inklusion bedeutet also, daß Sonderschulen geschlossen, die Problemkinder in normale Klassen gesteckt, diese oft nicht separat betreut werden können und daher die Lehrer sowohl den Unterricht, wie auch die psychologische Betreuung übernehmen müssen. Was das für Lehrer und die lernwilligen Kinder einer Klasse bedeutet, liegt auf der Hand.
Von 25 Schülern, die sich durchschnittlich in jeder Klasse befinden, sind nur 2 bis 4 „vernachlässigte“ oder verhaltensauffällige Kinder“, wobei ich diejenigen mit einer Indikation hier gar nicht meine. Diese handvoll „Störenfriede“, für die nicht nur Respekt ein Fremdwort zu bedeuten scheint, torpedieren in jedem Klassenzimmer tausendfach in Deutschland den Unterricht und verhindern so für die Mehrzahl der Mitschüler ihr Recht auf Bildung wahrnehmen zu können. Die Richtigkeit dieser Behauptung wird nach den ersten Tests, es ging um Musikinstrumente, deutlich. Maximal ein Kind pro Klasse, von der 3. bis zur 6., war der Rechtschreibung annähernd gewachsen. Nur ein Junge konnte fehlerfrei schreiben. Dieser wird von seinen Mitschülern gehänselt, weil er angeblich etwas langsam ist. Daß er aus Tschetschenien kommt und erst seit 9 Monaten in Deutschland lebt erfahre ich erst später und nebenbei versteht er die deutsche Umgangssprache ebenso gut, wie er schreibt. Ich wünschte mir, ich hätte seine „Langsamkeit“.
Erstaunlich viele Schüler kamen nach den Unterrichtsstunden zu mir, um mir zu sagen, dass ihnen der Musikunterricht großen Spaß mache, sie gern auch zum Selbst-Musik machen kämen, aber das ja wegen der fehlenden Disziplin leider nicht ginge, sie hätten sich schon daran gewöhnt. Meiner Bitte an den Schulleiter, die Klassen individuell zusammenstellen zu können, um überhaupt ein Lernziel zu erreichen, wurde mit einem verständnisvollen traurigen Lächeln natürlich nicht entsprochen. Ich komme mir vor, als würde ich mit einem Feuerlöscher durch einen brennenden Wald rennen.

Nach nun 6 Wochen Arbeit, einigen wenigen tollen Unterrichtsstunden mit aufmerksamen Schülern und vielen Stunden mit Disziplinproblemen, habe ich mein erstes Gehalt bekommen. Für eine halbe Stelle, also 14 Unterrichtsstunden plus Vor- und Nachbereitung wurden mir 614,48 EUR überwiesen. Die Einstufung wurde nach E6 vorgenommen. Das ist die Gehaltsgruppe ohne Staatsexamen und ohne Anrechnung von Berufsjahren, obwohl ich auch 2 Jahre als Musikausbilder mit geistig behinderten Menschen gearbeitet hatte. Mir wurde also bezahlt, was ein Student vor seinem Examen verdient, wenn er mal in den Schuldienst schnuppert. Dabei interessiert die Schulbehörde nicht, dass ich insgesamt 5 Jahre Musik studiert habe, es interessiert auch nicht, ob ich den gleichen Job wie meine Kollegen mache oder die Qualität des Unterrichts. Es interessiert nur das Papier und das habe ich eben nicht. De facto hat man mir mitgeteilt, dass ich keinerlei Qualifikation für das Unterrichten einer Schulklasse habe, was mich zu der Frage brachte, wie es denn eine Schulbehörde verantworten könne, einen derart unqualifizierten Nichtlehrer nicht nur den Unterricht allein leiten zu lassen, sondern auch die Aufsichtspflicht über 27 teils geistig gehandicapte Kinder zu übertragen. Die schlichte Antwort war: „Das hat der Schulleiter zu verantworten, der hat Sie ja schließlich eingestellt.“ Die Absurdität liegt auf der Hand.
Wie lange sich ein Schulleiter in dieser rechtlichen Situation bei vorprogrammierten Problemen hinter seinen Vertretungslehrer stellen kann, mag sich der Leser selbst beantworten. Desweiteren kann ich nur jedem Quereinsteiger als Vertretungslehrer raten, der in problematische Klassen geschickt wird: Unterrichten Sie immer im Beisein eines Kollegen oder Schulbetreuers, sie könnten einmal einen Zeugen brauchen. Aber dieser Ratschlag ist ja lächerlich, da die Schulbehörde bewusst auf Quereinsteiger zu setzen scheint, die natürlich allein unterrichten müssen, während es ausgebildete Lehrkräfte ohne Anstellung gibt. Ist halt billiger für die Kommune.
Nur ganz nebenbei. Für eine Unterrichtsstunde werden der Schule von ihrem Budget, welches für ergänzendes oder Aushilfspersonal und Zusatzangebote zur Verfügung steht, 45,00 EUR abgezogen, ausgezahlt wird in meinem Fall weniger als die Hälfte (brutto) davon. Nebenbei beträgt das Jahresbudget (Kalenderjahr) dieser Schule ca. 35.000,- EUR, also weniger als ein Lehrer pro Jahr kostet. Wenn niemand vom Personal krank werden würde, hätte man damit die Möglichkeit, gute Zusatzangebote zu schaffen. In der Realität wird davon die Vertretung erkrankter Lehrer bezahlt. Verstehen muss ich das nicht und will es auch gar nicht.

Dies ist die Situation der inklusiven Bildungspolitik in einer Großstadt, wie sie sich mir darstellt. Der Anteil an Kindern, die in ihrem Anspruch nach Bildung weitestgehend sich selbst und dem Fernsehprogramm der „Privaten Sendeanstalten“ überlassen, deren Eltern zu einem großen Teil selbst schon zur bildungsverarmten und medial „geformten“ Klasse zu zählen sind, nimmt in einer Geschwindigkeit zu, die mit ihren gesellschaftlichen Folgen wie ein Tsunami über uns hereinbrechen wird.
Nun kann man sagen, dass Bildung in der Geschichte schon immer das Privileg weniger war – das ist richtig, aber leider wird das auch für die Zukunft gelten, wenn nicht schnellstens umgedacht und zukunftsorientiert und verantwortungsvoll gehandelt wird, denn eines ist für mich unübersehbar:
Bildungspolitik ist aktuell die Verwaltung von Mangel.

Was sind also meine Vorschläge? Nein falsch! Forderungen, wenn es um die Zukunft unserer Gesellschaft geht.
Bildung als oberstes Staatsziel!
Und das bedeutet zuallererst die Bekämpfung der Armut, denn 19 000 000 (Millionen) Kinder und Jugendliche in Europa sind arm.
In Deutschland leben 11 000 000 (Millionen) Menschen nahe oder unterhalb der Armutsgrenze, davon 2 000 000 (Millionen) Kinder.
Armut stellt eine Barriere zur Bildung und Kultur dar. Dadurch findet eine Ausgrenzung am gesellschaftlichen Leben statt und Horizonte können nicht erweitert werden. Was bleibt, ist Resignation und Wut über die Perspektivlosigkeit, die längst begonnen hat, sich Bahn zu brechen.
Man muß nüchtern konstatieren, dass unsere Regierung mit ihrer Politik das Risiko einer sozialen Explosion eingeht.
Wenn die Jugend in Deutschland keine Zukunft hat, hat Deutschland auch keine Zukunft.

    11 Kommentare

  1. Danke für diesen Bericht aus dem prallen Leben. Genau das, wie es in Wirklichkeit ‚an der Front‘ aussieht, will ich wissen.
    Und danke für Ihr Engagement. Das ist sehr wertvoll.
    Siehe Saint-Ex: „Nur der Geist, wenn er den Lehm behaucht, kann den MENSCHEN erschaffen“.

    Otla

    23. April 2013

    • Dank Dir für Deinen Kommentar, der wiederum ist für mich sehr wichtig

      Bone05

      23. April 2013

  2. Ich bin der Meinung der Lehrerkollegin: An staatlichen Schulen muss neben Musik auch Sportunterricht, Kunstunterricht, Wirtschafts- und Religionslehre abgeschafft werden. Ich spreche nur für das Gymnasium. Diese Dinge haben mit der Vermittlung von Grundwissen und einer Hochschulreife nichts zu tun, sondern sind „Luxusgüter“ für die Freizeit.

    Der Sportunterricht muss aber anderweitig (außerschulisch) belohnt werden: So wie bspw. die halbjährliche zahnärztliche Vorsorgentersuchung.

    akurei

    7. Mai 2013

    • Das Abschaffen von kulturellem Unterricht wie Kunst oder Musik halte ich für sehr, sehr kritisch. Es sind meines Erachtens Dinge, die die Menschheit mit ausmachen und ebenso Werte darstellen. Werte, die wir vielleicht in der schnelllebigen und konsumorientierten Welt von heute nicht mehr richtig zu schätzen wissen – umso eher meine ich, daß es an eine Schule gehört. Auch Gymnasium.

      Robert

      7. Mai 2013

      • Kultur kann nicht unterrichtet werden, Kultur kann nur erlebt werden. Gerade Kunst und Musik sind Geschmackssache. Wer Musik _machen_ will, kümmert sich privat darum. Genau wie bei Kunst. Das aufzwingen von Musik- oder Kunstunterricht ist falsch.

        Protipp: Man kann auch Musik und Kunst lieben und wertschätzen (und machen), ohne gelernt zu haben, wie eine Tonleiter funktioniert oder welcher Stilart Monet angehörte.

        Protipp 2: „Kulturgeschichte“ hast du übrigens in einem anderen, jedoch sinnvollen Fach: Geschichte.

        akurei

        8. Mai 2013

        • Tja, was soll man zu solch einem Kommentar sagen? Da merkt jemand nicht, dass es kein Kulturunterricht ist, sondern um Musikunterricht geht. Da merkt jemand nicht, dass gemeinsames Musizieren das soziale Verhalten von Kindern in besonderem Maße fördert. Da merkt jemand nicht, dass der persönliche Musikgeschmack ein Resultat von musikalischer Bildung und Prägung ist. Da merkt jemand nicht, daß die von ihm gebrachten Argumente auf alle Schulfächer anzuwenden wären. Da fordert jermand indirekt, daß Bildung Privatsache sei und merkt nicht, daß er damit die Klassengesellschaft in der Bildung propagiert.
          Glücklicherweise gibt es noch viele Menschen, die das anders sehen, als du, sonst wäre unsere Gesellschaft bereits am Ende.

          Bone05

          8. Mai 2013

          • Wow. Du hast voll an mir vorbei geredet. Aber Hauptsache Mal was geschrieben oder wie?

            akurei

            8. Mai 2013

  3. Wie wäre es wenn ihr Euch beide beruhigt. 🙂
    Bone05 hat in seiner emotionalen und wuchtigen Art und Weise zwar ein wenig Dampf abgelassen aber in der Sache Recht. Ich denke ich verstehe was Akurei meint, aber ich teile nicht seine Sichtweise, denn Kultur gehört zur Identität der Menschen. Bone meinte bestimmt nicht das er eine Waldorf-Tanze-Dein-Namen-Veranstaltung anstrebt. Aber das Grundgerüst für kulturelles Wissen zu erlangen ist sinnvoll und auch für die Sozialisierung von Kindern/Jugendlichen wichtig.

    Simon Lange

    8. Mai 2013

    • stimmt Simon, wenngleich ich meine Antwort mehr als sachlich denn als Dampf ablassen empfinde. Ich wiederum verstehe nicht, was Akurei im Sinne der Gesellschaft will.

      Bone05

      8. Mai 2013

      • Das kann Dir nur Akurei beantworten. Ich glaube es geht ihm um eine Art mehr effizientere und auf das spätere Leben vorbereitende Bildung. Im Kern stütze ich dies. Ob man allerdings gerade Kultur bzw Wissen um Kultur und das Vermitteln von Kenntnissen zur Erlangung von kulturellen Wissen abschaffen sollte, wage ich zu bezweifeln.

        Simon Lange

        9. Mai 2013

  4. Akurei, ich finde deine Kommentare sehr bedenklich. Natürlich kann man Kunst und Musik auch außerhalb der Schule kennen lernen bzw. machen. Aber dafür ist immer Motivation nötig. Woher nimmt ein Kind diese Motivation, wenn das Elternhaus kein Interesse daran hat? Wenn die Eltern sich keinen Musik- oder Kunstunterricht für ihr Kind leisten können und das Geld auch nicht für mehr als Buntstifte oder eine Triangel reicht? Und ja, es gibt auch Kinder weniger wohlhabender Eltern an Gymnasien. Oder Kinder, die musisch begabt und interessiert sind, deren Eltern aber deutlich mehr Interesse an Naturwissenschaften, Technik o.ä. haben und dem Kind die eigenen Interessen als „Unsinn“ ausreden wollen. Klar könnte man vieles auch als AG anbieten und klar kann man darüber streiten, ob verpflichtender Musik- und Kunstunterricht nötig und sinnvoll ist. Aber an den allermeisten Gymnasien kann man die Fächer in der Oberstufe auch abwählen; ich für meinen Teil habe weder Kunst noch Musik bis zum Abi gemacht, möchte aber auf meine frühere musikalische Ausbildung, die zum Glück stark von meinen Eltern gefördert wurde, nicht verzichten.
    Zum Thema Sportunterricht abschaffen: auf keinen Fall! In meinem Studium habe ich durch das viele Sitzen immer wieder mit Rückenproblemen zu kämpfen gehabt, ohne den Sportunterricht wäre das Problem vielleicht schon in der Schule aufgetaucht. Natürlich kann man auch Sport in der Freizeit machen, aber die meisten meiner Mitschüler waren Bewegungsmuffel, und in einer Zeit des steigenden (gesundheitsgefährdenden!) Übergewichts in Deutschland finde ich nicht, dass es eine gute Idee ist, den Sportunterricht zu streichen. Abgesehen davon, dass es in den Unisportkursen immer wieder befremdlich war, erwachsene Menschen ohne Körpergefühl zu sehen, die kaum in der Lage waren, einen Hampelmann zu koordinieren. Denen hätte auch so eine „Waldorf-Tanze-Deinen-Namen-Veranstaltung“ gut getan – und ja, ich spreche da aus Erfahrung ( 😉 an Simon Lange).
    Ansonsten möchte auch ich mich für diesen tollen Artikel bedanken, der sich ja bei weitem nicht nur um Musikunterricht, sondern auch um deutliche Mängel in der Bildungspolitik dreht. Sehr wichtig, dass solche Themen nicht totgeschwiegen werden!

    Ava

    14. März 2014

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